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Der Sohn vom eigentlichen Zahnarzt

„Ich habe ihr Foto in der Zeitung gesehen, wegen der Kommune“, sagte Herr Wolf und strahlte über das ganze Gesicht. Links oben hatte er einen weiteren Zahn verloren. Offenbar weigerte er sich noch immer, mit seinem Zahnarzt zu sprechen und einen neuen zu suchen in seinem Alter, hatte er mir mal ungefragt erklärt, lohne sich einfach nicht mehr. Sein Zahnarzt sei ja sowieso nur der Sohn von seinem eigentlichen Zahnarzt, erzählte er mir damals weiter, das sei an sich schon eine seltsame Sache. Jahrelang habe er den Jungen nackt an einem italienschen Strand spielen sehen auf einem Foto in der Praxis seines Vaters. „Und plötzlich steht der Kerl lang gezogen und mit einem Bart im Wartezimmer und ruft meinen Namen“, empörte sich Herr Wolf.

Der Sohn des eigentlichen Zahnarztes hatte vor drei Jahren eine kurze Affäre mit Herrn Wolfs Tochter und seither weigerte sich Herr Wolf beharrlich, mit ihm zu sprechen. Da Herr Wolfs Tochter zum Zeitpunkt der Affäre knapp sechzehn Jahre alt war und der Sohn des Zahnarztes an sich verheiratet, und dass auch noch glücklich, wie Herr Wolf aus den Fotos an den Wänden der Praxis schloss, konnte ich natürlich verstehen, dass Herr Wolf nicht gut zu sprechen war auf den Sohn seines eigentlichen Zahnarztes. Warum er sich aber lieber Zahn um Zahn aus dem Mund faulen liess als einen anderen zu suchen, habe ich nie verstanden.

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Berühmt in der Presse

"Sie sind ja jetzt berühmt in der Presse!" hat Herr Wolf quer über den Platz gerufen. Neugierig hat er dann später in den Kinderwagen reingeschaut und wieder hoch zu mir und wieder auf das Kind. "Das ist Frau Grabers Baby", habe ich gesagt. Ich weiss auch nicht wie ich auf die Idee gekommen bin zu lügen. Es ist einfach so passiert. "Das häuft sich bei dir, dass etwas einfach so passiert", hat Jann mit mir geschimpft später. Ausgerechnet er sollte mir nicht mit so Vorwürfen kommen.

Herr Wolf hat über seine Rückenprobleme geklagt und mir den neuen Goldzahn gezeigt, den er sich hat machen lassen. "Wenigstens mit den Zähnen haben sie also keinen Ärger mehr", hatte ich gesagt. "Ja aber ich habe jetzt hier unten wieder was, sehen Sie?" hat er geantwortet und mir sein aufgerissenes Maul entgegen gestreckt. "Sie stinken fürchterlich aus dem Mund", habe ich gesagt. Natürlich nicht wirklich, aber immerhin.

 

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