BlogBilderKontakt

Login

Unsensibel aber wahr

„Was ist das für ein Geräusch?“ fragte Prof. Arnold. Irgendwas stimmte mit den Meerschweinchen nicht, sie quietschten wie verrückt, so laut, dass Arnold sie am anderen Ende der Telefonleitung hören konnte. Paul versuchte sie zu beruhigen und sprach mit ihnen, als ob sie kleine Kinder wären. „Langweilig ist es euch hier, nicht wahr ihr kleinen Biester, so, dann werde ich euch mal aus dem Stinkekäfig befreien, so, ja, fein macht ihr das“.

Dann war das Telefongespräch plötzlich unterbrochen und das schwarze Meerschweinchen tot. Paul lächelte betreten und liess mich dann mit dem toten Ding alleine. Ich schnappte das lebendige Tier und sperrte es wieder ein. Das schwarze liess ich neben dem Telefonkabel liegen.

"Wir holen einfach ein neues", schlug Jann vor. Wir sassen in Ritas Büro und überlegten uns, wie man das wieder gerade biegen könnte. "Und das Telefonkabel?" fragte ich, obwohl ich den Plan das Meerschweinchen einfach zu ersetzen suboptimal fand. "Das Kabel wird sich wenigstens gleich verhalten wie das alte", meinte Jann. "Zum Glück hat es das schwarze Meerschweinchen erwischt und nicht das fleckige", kicherte Paul. 'Wie unsensibel', dachte ich, und dann auch 'wie wahr'.

Kommentare (0)  Permalink

Das Virus im Labor

„Latour postuliert, dass im Labor die Massstäbe umgedreht werden – das Virus kann sich unter optimalen Bedingungen vermehren und wird in diesem Sinne grösser und reiner, als es draussen jemals werden könnte“, sagte Jann. „Auf der anderen Seite kann es der Forscher im Labor plötzlich beherrschen, da draussen ist es übermächtiger Gegner, hier im Labor aber wird es zum Objekt degradiert.“ Jann sass auf dem Tisch vor mir und doziert vor sich hin. Er tat das manchmal, um Texte zu rekapitulieren. Ab und zu strich er mir übers Haar, als wäre ich ein kleines Kind.

Manchmal denke ich, mir erging es an der Forschungsstelle wie dem Virus im Labor.

Kommentare (0)  Permalink

Elegante Version von Selbstmord

Ich war nie verliebt gewesen in Jann, noch heute kann ich mir das nicht richtig erklären. Es gab Momente, da hätte ich ihn gerne geheiratet. Es schien mir die elegante Version eines Selbstmordes zu sein, eine, bei der ich mit dem Leben davon gekommen wäre. Ich glaube Jann war auch nie verliebt in mich, auch wenn er wohl ein-, zweimal so einsam war, dass er versucht war es sich einzureden.

Jedenfalls sind wir Freunde geblieben nachdem die Forschungsstelle explodierte. Wir sehen uns nicht sehr häufig und wenn doch, reden wir lieber über allgemeine Themen wie die Liebe oder das Leben als über damals. Ab und zu lästern wir ein bisschen über die Leute, die damals mit uns an der Forschungsstelle waren, aber darüber was wirklich passiert ist reden wir nicht. Eigentlich hätte ich gerne mit Jann darüber geredet, nur weigert er sich sanft und doch sehr stur. Ich hatte ja nur mich selbst verloren und bereits kurz nach der Explosion erfand ich mich wieder weitgehend neu. Ich mag mich, wie ich heute bin. Jann aber trauert noch immer um Theresa.

Kommentare (0)  Permalink
1-3/3